Heilige Orte

Treffen mit einem Einsiedler

Einsiedelei St. Cuthbert (Copyright: sgd) Foto: sgd

In dieser kleinen Einsiedelei führt Bruder Herold ein verborgenes Leben - und freut sich doch über meinen Besuch.

Er besitzt nicht viel mehr, als das was er am Leib trägt. Einige Wollpullover schützen ihn gegen die nordenglische Kälte. Unter seiner Mütze strahlt mir ein freundliches Lächeln entgegen - Bruder Harold scheint sich über meinen Besuch zu freuen. Erstaunlich, immerhin lebt er bewusst alleine, als Einsiedler, als Eremit.

Bruder Harolds lange Geschichte

Während er mich in seiner kleinen Einsiedelei herumführt, erzählt er mir seine Geschichte. Vor über 40 Jahren hat er sich hier niedergelassen, auf einem windigen Hügel in der kargen Schönheit des Bezirks Northumberland. Von dem alten Gutshof stand damals nur noch eine Ruine. Liebevoll baute er eine kleine Behausung für sich selbst, Gästeräume und eine Kapelle.

Bruder Harold hat sich für die Einsamkeit entschieden. Er lebt als Einsiedler, d.h. er will alleine siedeln, für das Eine siedeln. Er sieht sich in der Tradition der christlichen Eremiten, die in der Einsamkeit alleine für Gott da sein wollten. Deshalb hängen in seiner Kapelle die Ikonen von Johannes dem Täufer und Cuthbert. Bruder Harolds Geschichte ist eigentlich viel länger als 40 Jahre.

Der Einsiedler auf dem Motorrad

Aber kann man so überleben, frage ich mich, in dieser windigen und rauen Umgebung? Es ist ein einfaches Leben, das steht fest sobald ich seine Küchenstube betrete. Das Holz zum Heizen macht Bruder Harold noch selbst, auch noch mit seinen Anfang Achtzig. 

Kleinere Besorgungen erledigt er auf seinem Quad Motorrad. Zum Großeinkauf fährt ihn ein Freund in die Stadt. Manchmal bringt ihm jemand etwas Gemüse vorbei, vielleicht sogar eine ganze Mahlzeit. Die nahen Franziskaner sorgen sich um sein geistliches Wohl. Völlig alleine geht dann wohl doch nicht.

Torheit oder eine seltene Weisheit?

Bruder Harold weiß jedenfalls, wie man guten englischen Tee zubereitet. An der warmen Tasse wärme ich meine steifen Finger. „Es gibt nicht viele wie mich,“ sagt Harold währendessen. Tatsächlich: In ganz Deutschland sind es nicht mehr als 80 katholische Eremiten. 

„Unsere Welt hat wenig Verständnis für ein Leben, das scheinbar nichts hervorbringt“ fährt Harold fort, „für ein Leben das scheinbar unproduktiv ist, sozial inaktiv bleibt, scheinbar nichts Gutes tut – ein Leben, das einfach nur für Gott da ist, ein kontemplatives Leben.“ 

Abgeschieden und doch nicht weltfremd

Jetzt stellt er sein Licht aber unter den Scheffel, denke ich. Seine Gastfreundschaft, die ich gerade erlebe, ist echt und authentisch. Gäste aus aller Welt beherbergt Harold in den einfachen Zellen im Gästehaus. Auch in seinen Gebeten ist er mit und für andere. In Tansania hat er Freunde gefunden – die Geschenke und Souvenirs an den Küchenwänden zeugen von seinen Reisen. Harold lebt zwar abgeschieden von der Welt, ist ihr aber doch nicht fremd. Doch gleichzeitig hinterfragt Harold unsere Welt, schon allein durch sein bloßes Dasein. 

Als ich mich verabschiede spüre ich eine eigenartige Verbindung mit diesem Mann. Bruder Harold erinnert mich daran, dass es mehr gibt als Errungenschaften und Ergebnisse – es gibt das Eine, für das es sich wirklich zu leben lohnt. Von weitem höre ich, wie die Kapellenglocke zu läuten beginnt – es ist Zeit für das Abendgebet.

sgd


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