Heilige Orte

Barmherzigkeit erfahren in wüster Gegend

St. Georgskloster im Wadi Qelt bei Jericho (Foto: sgd)

Das St. Georgs Kloster liegt inmitten der judäischen Wüste - eine Oase, in der Barmherzigkeit erlebt werden kann.

Es ist unerträglich heiß. 45 Grad hat es an diesem Junitag im Wadi Qelt, einem Tal zwischen Jerusalem und Jericho. Schon die ersten hundert Meter unserer kurzen Wanderung treiben uns den Schweiß ins Gesicht. Wir quälen uns durch die knochentrockene judäische Wüste, einen Pfad hinab ins Tal. 

Als wir um einen Felsvorsprung biegen, trauen wir unseren Augen kaum - vor uns liegen grüne Palmen und Kapernsträucher, blühende Akazien. Ein rauschendes Aquädukt schlängelt sich durch die Oase. Über unseren Weg huscht ein Klippdachs. 

Offene Türen, weite Herzen

Und jetzt sehen wir es: Das griechisch-orthodoxe St. Georgs Kloster, unser Ziel. Wie ein Schwalbennest hängt es in der Steilwand des Wadi. Die Tür zum Innenhof ist offen, etwas schüchtern gehen wir hinein. Eine Gruppe bärtiger Mönchen sitzt im kühlen Schatten. Einer der älteren steht auf und begrüßt uns – ganz so, als ob sie nur auf uns gewartet hätten. Unser Gastgeber bietet uns kühles Wasser an, es gibt frisch gebrühten Kaffee mit Gebäck.

Wir dürften uns ruhig umschauen, lädt uns der Mönch ein. So treten wir durch die Tür zur Kapelle – und erschrecken: Auf antiken Mosaikböden steht eine Glasvitrine, darin liegen Schädel und ein Duzend Knochen. Wir fragen unseren Gastgeber, was es mit diesen menschlichen Überresten auf sich hat.

Aus einer Höhle wird ein Kloster

Schon im 4. Jahrhundert lebten Einsiedler in diesem Tal, erzählt uns der Mönch. Für sie war das Wadi ein geschichtsträchtiger Ort. In einer der Höhlen soll der Prophet Elia gelebt haben - von Gott versorgt, denn Raben brachten ihm Brot und Fleisch (1. Könige 17,2-7). Wer als Einsiedler hier herkam, wollte Gott begegnen – so wie Elia.

Ende des 5. Jahrhunderts zog Johannes von Thebes aus der ägyptischen Wüste ins Wadi. Was zuvor vereinzelte Höhlen waren, um die vermeintliche Eliahöhle herumgruppiert, wuchs nun zu einem Kloster zusammen. Doch die Blütezeit währte nicht lange. Im Jahr 614 zerstörten umherstreifende persische Soldaten das Kloster – und massakrierten die Einsiedler. Ihre Knochen sind es, die in der Kapelle heute noch aufbewahrt werden.

Barmherzigkeit am Wegesrand

Mit meinem Kaffee in der Hand schaue ich vom Balkon hinab ins Wadi. Früher verlief hier eine alte Römerstraße. Auf sie bezieht sich Jesus als er eine Geschichte erzählt: Einer wird hier überfallen, ausgeraubt, verletzt. Halbtot liegt er in der sengenden Hitze. Zwei gehen vorüber. Der dritte, ein Samariter, hat Mitleid - er verbindet seine Wunden und bringt ihn zu einer Herberge (Lukas 10,29-37). 

Auch ich bin hier Barmherzigkeit begegnet, ich wurde - wie Elia - versorgt und gestärkt, denke ich und atme noch einmal tief den Kaffeeduft ein.

sgd


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