Heilige Orte

Der Essenstisch

Tischgedeck Abendessen von Wikicommons (Rechte: Gisela Francisco) Foto: Gisela Francisco

Entdecken Sie wieder neu die gemeinschaftliche Dimension des Tisches, sei es im Kreis der Familie, der Kollegen oder der Freunde. Gestalten Sie Ihre Tischgemeinschaft als einen heiligen Moment. Finden Sie z.B. Wege, Ihre Mahlzeit mit einem Gebet zu beginnen. Machen Sie sich so bewusst: Gott versorgt und gibt. Er ist jetzt an Ihrem Tisch gegenwärtig und schenkt Ihnen Gemeinschaft untereinander.

Der Tisch hat eine wichtige soziale Dimension. Wir pflegen familiäres Leben am häuslichen Esstisch oder Geschäftsbeziehungen bei einem Geschäftsessen. Schon die alten Griechen nannten ihre Tischzeiten „Symposium“ und betonten damit, dass der Tisch ein Ort der verbindenden Gespräche und des Philosophierens sei. Bei Tisch geht es also nicht allein darum, seinen Magen zu füllen. Am Tisch können Menschen zusammenkommen, sich vielleicht neu begegnen. Wir sagen auch, man müsse sie nur „an einen Tisch bringen“. Hier kann also ein Ort der täglichen Gemeinschaft und des Gesprächs sein.

Was vielen Menschen heute fremd ist: Für nicht wenige Religionen ist der Tisch und die Mahlgemeinschaft ein heiliger Ort. Juden z. B. feiern das Pessachmahl oder Christen das Abendmahl in Erinnerung an Jesu letzte Tischgemeinschaft mit seinen Jüngern. Doch nicht nur solche festliche Anlässe auch die tägliche Tischgemeinschaft wurde bereits in antiker Zeit als spirituelle Handlung ausgestaltet: Handwaschungen und Gebete begleiteten das Essen und der Aufbau und Ablauf des Mahls selbst erinnerte an die sakralen Tempelmähler, bei denen Gottes Gegenwart in der Tischgemeinschaft erwartet wurde. Damit entstand eine heilige Atmosphäre bei Tisch, ein heiliger Ort inmitten der Hektik des Alltags.

In vielen Familien ist es heute noch üblich, vor dem Essen gemeinsam zu beten. Eines der ältesten Tischgebete finden wir im Jubiläenbuch, einer jüdischen Schrift aus dem 2. oder 3. vorchristlichen Jahrhundert. Darin wird Gott gelobt, „der Himmel und Erde geschaffen und alles Fett gemacht und den Menschenkindern gegeben hat, zu essen und zu trinken und ihren Schöpfer zu preisen.“ (Jub 22,6-9) Und der Psalmbeter ruft aus: „Aller Augen warten auf dich und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit. Du öffnest deine Hand und sättigst alles, was lebt, nach deinem Gefallen.“ (Ps 145,15-16)  Im Tischgebet erinnern wir uns - heute wie damals - daran, dass Gott es ist, der uns versorgt und ernährt. Wir erhalten so einen besonderen Bezug zu Saft, Brot oder Käse auf dem Tisch - es sind Gaben Gottes.

Entdecken Sie wieder neu die gemeinschaftliche Dimension des Tisches, sei es im Kreis der Familie, der Kollegen oder der Freunde. Lassen Sie sich Zeit zum Gespräch und zum Zuhören und spüren Sie, wie die Verbindung untereinander zu Tisch wachsen kann. Gestalten Sie Ihre Tischgemeinschaft als einen heiligen Moment. Zuhause könnten Sie den Tisch decken, eine Kerze anzünden oder Blumen aufstellen und so zu einer besonderen Atmosphäre beitragen. Finden Sie Wege, Ihre Mahlzeit mit einem Gebet zu beginnen. Für manche ist es hilfreich, immer dasselbe Gebet zu sprechen. Mit Kindern und Jugendlichen könnten Sie durch einen „Tischgebets-Würfel“ für ein wenig Abwechslung sorgen oder sich bei den Händen fassen. Bei der Arbeit in der Mittagspause wäre es vielleicht eine Möglichkeit, beim Händewaschen oder am Tisch einen Moment innezuhalten und sich bewusst zu machen: Gott versorgt und gibt. Er ist jetzt an diesem Tisch gegenwärtig und schenkt uns Gemeinschaft untereinander.

sgd


Rituale

Teig rühren und Gelassenheit wagen

Hefeteig (CCR Chiot's Run)

Immer dieses lästige Warten! Da hat man Hunger und will sich nur schnell eine Pizza machen. Und dann dauert dieser Hefeteig immer so lange – er muss aufgehen, eine dreiviertel Stunde! Soll man ihn vielleicht in den Ofen stecken, fragt man sich, und so das ganze beschleunigen? Oder stattdessen sogar einen Fertigteig kaufen? Doch die Zeit während der Teig aufgeht, kann ich nutzen, um eine wichtige geistliche Disziplin einzuüben...
 
mehr

Angebote

20.10.2013 - 25.10.2013
Exerzitien - Eine Woche schweigen Exerzitien – eine Möglichkeit, die eigene Lebensrichtung zu ändern. Eine Woche Stille – um auf eine andere Stimme zu hören. Zeit und Stille – in einer Schweigewoche schenken Sie sich die zwei wichtigsten Schätze unseres Lebens. (...)

23.11.2013 - 23.11.2013
Workshop Lebensreise Das Leben ist wie eine Landkarte: Wo kommen wir her? Wo stehen wir jetzt? Wie wurden wir zu dem, was wir sind? Was hält uns? Wie geht es weiter? Ilona und Rainer Wälde zeigen Ihnen, wie Sie die Landkarte Ihres Lebens auswerten und den roten Faden erkennen.
(...)

18.08.2013 - 24.08.2013
Unterwegs zu den Quellen des Lebens Bereits vor drei Jahren sind wir auf die grüne Insel gereist, um dem Geheimnis der irischen Mönche auf die Spur zu kommen: Auf dem Hill of Slane bei Dublin beginnt unsere persönliche Reise zu den Ursprüngen des Christentums. 433 hat Patrick an dieser Stelle ein Osterfeuer entzündet und damit eine Bewegung ausgelöst, die im nördlichen Europa zu einem Durchbruch des christlichen Glaubens sorgte. (...)

mehr

Media

Riskier was, Mensch!

Riskier was, Mensch - Sieben Wochen ohne Vorsicht

„Sieben Wochen ohne“ macht dieses Jahr Lust, die Zeit nach Aschermittwoch bewusst zu begehen und ein risikofreudiges Leben auszuprobieren, weniger um der eigenen Abenteuerlust, als um anderer Menschen willen.

Verzichten einmal anders. Dafür waren die „Sieben Wochen ohne“ Kalender schon immer gute Begleiter. Seit 1983 ist die Aktion der evangelische Versuch, der am 13. Februar beginnenden Fastenzeit etwas abzugewinnen. Und vielleicht ist sie ja sogar eine Inspiration zu einem ursprünglicheren Fasten, einem ganzheitlichen Loslassen und Neuausrichten, im Gegensatz zu spiritualisierten Diätbemühungen.

 
mehr


Senden Sie eine E-Card an Freunde

StartHeilige OrteVorbilderRitualeAngeboteMediaNewsletter
FacebookTwitter
Newsletter
Kostenlose und wertvolle Impulse für Ihre persönliche Lebensreise.
 
Unser Newsletter informiert Sie in regelmäßigen Abständen über aktuelle Themen.
 
Newsletter abonnieren