Heilige Orte

Wie der Garten als heiliger Ort erlebt wird

Urban Gardening in Berlin Tempelhof (Copyright: Onnola; Flickr)

Selbst mitten in der Stadt wollen viele auf den Garten nicht verzichten - wie hier beim Urban Gardening in Berlin Tempelhof. Sie genießen das Harken, Graben und Gießen. Dabei erleben sie das, wovon schon die Bibel erzählt.

Die Erde ist noch kühl und feucht - am Nachmittag hat es ein wenig geregnet. Sie gräbt ihre bloßen Hände in den Boden hinein und lockert das Erdreich mit den Fingern. Es duftet nach Lavendel, Zitronenthymian und Oregano. Gleich nach der Arbeit ist sie hierher gekommen, schnurstracks in ihren kleinen Garten. Mitten in der Stadt.

Ein Gärtner in jedem von uns

Ob wie hier im hippen urbanen Gemeinschaftsgarten, im klassischen Schrebergarten oder beim rebellischen Guerilla Gardening - viele Menschen mögen die grünen Blätter und Stauden um sich herum und genießen das Harken, Graben und Gießen. 

Es fasziniert uns, ein Stück Wildnis urbar zu machen, Zeuge zu werden von dem Wunder einer gedeihenden Pflanze und schließlich die Früchte unserer Arbeit ernten zu können. Und wir spüren nach unserer oft verkopften Arbeit, wie der Kontakt zum Erdreich uns wieder erdet.

Aus Staub wird Kultur

Im Garten erleben wir das, wovon die Bibel erzählt: Der Mensch habe eine besondere Verbindung zur Erde - Adam sei aus dem Staub des Ackerbodens gemacht. Ihm habe Gott einen Garten anvertraut, ihn zu behüten und zu bebauen, seinen Lebensraum. So habe die Menschheitsgeschichte begonnen. (Vergleiche 1Mose 2.) 

Der Garten galt deshalb in der Vergangenheit als Inbegriff der Kultur. Früher waren es hauptsächlich Baumgärten, manchmal wurde auch Gemüse angepflanzt. Schon immer jedoch waren Gärten in irgendeiner Weise umzäunt - bereits das griechische Wort für Garten macht das deutlich: Chortos bezeichnet einen eingefriedeten Raum.

Aus dem Garten wird ein Paradies

Wegen der Abgeschiedenheit betete man in den Gärten schon seit langer Zeit. Wir wissen von Tempeln in römischen Lustgärten und von kultischen Zeremonien in den Gärten Kanaans. Aber auch Jesus zog sich in einen Olivenhain nahe Jerusalem zurück, eines Nachts, um zu beten.

Für die Mönche des Mittelalters war ihr Garten ein heiliger Ort. Sie folgten der Logik: Da das Paradies ein Garten war, kann ein Garten im Umkehrschluss auch ein Paradies sein. Die Grünfläche in ihrem Innenhof, auch den Baum und den Brunnen darin, nannten sie folglich „Paradisus“. Dieser Garten erinnerte sie natürlich an Adam und den Gottesgarten, sie blickten aber nicht nur zurück - ihr Paradies wies sie auch auf das kommende Himmelreich hin, das sie bereits jetzt unter sich verwirklicht sehen wollten. Damit pflegten die Mönche eine ganz erdverbundene Art, sich unseres Ursprungs und unserer Zukunft als Menschen zu vergewissern.

Sich erden lassen und Hoffnung schöpfen

Nutzen Sie die sonnigen Tage und verbringen Sie einige Stunden in einem Garten oder Park. Denken Sie beim Wühlen oder Graben in der Erde über den Auftrag Gottes an Adam und die Menschheit nach. Bestaunen Sie beim Gießen das wundersame Wachstum und schauen Sie mit Zuversicht nach vorne. Hier im Garten will Ihnen Gott begegnen.

sgd


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