Rituale

Teig rühren und Gelassenheit wagen

Hefeteig (CCR Chiot's Run) Foto: Chiot's Run

Hefeteig braucht Zeit zum Ruhen und Aufgehen. Ein willkommene Gelegenheit, um ganz gelassen darüber nachzudenken, was in uns gärt und heranreift.

Immer dieses lästige Warten! Da hat man Hunger und will sich nur schnell eine Pizza machen. Und dann dauert dieser Hefeteig immer so lange – er muss aufgehen, eine dreiviertel Stunde! Soll man ihn vielleicht in den Ofen stecken, fragt man sich, und so das ganze beschleunigen? Oder stattdessen sogar einen Fertigteig kaufen? Doch die Zeit während der Teig aufgeht, kann ich nutzen, um eine wichtige geistliche Disziplin einzuüben.

Was in uns heranreift

Der schweizerische Buchautor Pierre Stutz berichtet davon, dass er in dieser Zeit einfach nur neben dem Teig sitzt. Er übt sich in Gelassenheit - das Lassen und Werden verinnerlichen, nennt er das. Stutz lädt uns ein, dem nachzuspüren, was in uns aufsteigt: 

Nur wenn wir wissen, was in uns gärt - Neid, Wut, Leidenschaft - können wir auch Los-lassen. Und wenn wir wahrnehmen, was Gutes in uns heranreift, können wir dieses Wachstum zu-lassen. Das ist Gelassenheit wagen, so Stutz.

Wenn eine kleine Kraft alles durchdringt

In der Symbolsprache der Bibel steht der Sauerteig für eine kleine Kraft, die doch alles durchdringt. Jesus vergleicht ihn einmal mit dem Wirken Gottes: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig,“ meint Jesus „Eine Frau nimmt eine Hand voll davon, mengt ihn unter einen halben Sack Mehl, und am Ende ist die ganze Masse durchsäuert“ (Matthäus 13,33).

Der Sauerteig, als Pendant zum Hefeteig, verdeutlicht: Das Kleine, das Unscheinbare, das Verborgene kann doch so viel bewirken. Das gilt für die schlechten, zerstörerischen Dynamiken genauso, wie für die guten. 

Gut Ding ...

Ich tue mir selbst einen Gefallen und kaufe keinen Fertigteig! Vielmehr mache ich meinen Hefeteig selbst und nutze dann die Minuten, wenn der Teig ruht. Ich setze mich einfach neben die Teigschüssel und spüre meinen eigenen Gärungsprozessen nach. Welche Dynamiken nehme ich in mir wahr? 

Ich lasse mir Zeit. Gelassen beobachte ich, wie der Teig kaum merklich und nur langsam aufgeht. Sollten die wichtigsten Reifungsprozesse in uns dann im Schnellverfahren vor sich gehen?  Hier ist eher Slow Baking als Backmischung angesagt - Gottes Werk in uns will Weile haben.

sgd


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