Vorbilder

Gallus von der Steinach

Gallus-Statue am Nordportal des St. Gallener Doms (Wikicommons)

Die Zuwendung von Gallus zu den Menschen in der Bodenseeregion durch die Übersetzung des Evangeliums, seine Hilfe im Hier und Jetzt und das Angebot einer Gemeinschaft – das alles kann uns zum Vorbild werden. Beeindruckend ist auch seine Ortsverbundenheit, ohne dabei kleinräumig zu denken oder einen engen Horizont zu haben.

Gallus lebt im 6. und 7. Jahrhundert. Er ist Mönchsbruder, Schüler und Gefährte von Columban. In dessen Gefolge muss Gallus ihr Heimatkloster in Luxeuil verlassen. Gemeinsam fliehen sie vor dem burgundischen Herrscher Theuderich und kommen etwa 610 n. Chr., über Umwege und mit einem Missionsauftrag des Landesherrn Theudeberts II. ausgestattet, in Bregenz an. Dort ist das Christentum offensichtlich in Vergessenheit geraten.

Ab dieser Zeit tritt Gallus aus dem Schatten seines Meisters. Im Unterschied zum rein konfrontativen Vorgehen seines Abtes Columban, redet Gallus auch mit den Bregenzern. Er ist der Sprache der Einheimischen mächtig und versucht so, die Menschen wieder für das Evangelium zu gewinnen. Doch nach nur wenigen Jahren beschließt Columban, weiter zu ziehen – er will nach Norditalien, um sich dort in Sicherheit vor dem wachsenden Einfluss seines Verfolgers Theuderich bringen. Gallus aber ist krank. Er kann die Bodenseeregion nicht verlassen und vermutlich will er es auch gar nicht. Es kommt zum Streit zwischen den beiden Gefährten, bis Columban schließlich ohne Gallus losgeht.

Nachdem Gallus gesund gepflegt wurde, lässt er sich etwa 612 n. Chr. am Südufer des Bodensees im Steinachtal nieder. Dort baut er eine kleine, aber vitale Klosterzelle auf, das heutigen St. Gallen. Gallus bewahrt sich zwar einen weiten Horizont und pflegt seine Kontakte in die Region hinein – er ist in Arbon, Überlingen, Konstanz und sogar in Grabs zu finden. Jedoch entscheidet Gallus sich ganz für diesen Ort, einen Ort der Wildnis und Unwirtlichkeit, einen Ort, an dem das Heidentum im Kommen war. Mehrfach weigert sich Gallus, seine Zelle zu verlassen und beweist damit tiefe Verbundenheit mit der Region. Diese Verlässlichkeit und Bodenhaftung zeichnet Gallus aus.

Hier dient Gallus den Menschen. In der Galluszelle wird den Menschen geistliche, aber auch ganz diesseitige Hilfe angeboten. Gallus macht das Land urbar, fischt in der Steinach und gibt den Hungrigen zu essen. Er und seine Mönche identifizieren sich mit den Mühseligen und geben so ein lebensnahes Beispiel dafür, wie Gott den Ohmächten hilft. Gallus verkörpert hier das gemeinschaftlich orientierte, irisch geprägte Mönchtum und mit seiner Zelle gründet er eine Gemeinschaft inmitten einer weltabgeschiedenen Gegend.

Gallus stirbt an einem 16. Oktobertag Mitte des 7. Jahrhunderts. Seine Zuwendung zu den Menschen in der Bodenseeregion durch die Übersetzung des Evangeliums, seine Hilfe im Hier und Jetzt und das Angebot einer Gemeinschaft – das alles kann uns zum Vorbild werden. Beeindruckend ist auch seine Ortsverbundenheit, ohne dabei kleinräumig zu denken oder einen engen Horizont zu haben.

sgd


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