Vorbilder

Als Katharina dem Papst entgegentrat

Katharina von Siena (von Giovanni di Paolo, etwa 1475)

Auf vielen Fresken wirkt Katharina von Siena nachdenklich, wie auch hier bei Giovanni di Paolo. Zeitgenossen beschreiben sie dagegen als fröhliche Frau. Die weißen Lilien symbolisieren den mutigen Entschluss, den Katharina bereits in jungen Jahren gefasst hatte.

Schon die Geburt ist hart umfochten: Das Baby kämpft mit ihrer Zwillingsschwester gegen den Tod. Die Schwester stirbt, das andere Mädchen bleibt am Leben – so wird im Jahr 1347 Katharina von Siena geboren. 

Katharina ist das 23. Kind einer Färberfamilie, aber die Mutter spürt: Sie ist etwas Besonderes - als einziges Kind wird sie nicht von einer Amme, sondern von der Mutter selbst gestillt. Bereits mit sechs oder sieben Jahren hat Katharina eine Vision von Christus. Die prägt sie so stark, dass sie sich entschließt, ehelos zu bleiben. 

Mit Glatze und ohne Mann 

Nach Katharinas zwölftem Geburtstag bahnt sich der dramatische Konflikt an: Die Mutter will sie verheiraten, die Option, ledig zuhause zu bleiben, existiert nicht. Katharina schneidet sich wie ein Punker die Haare ab und signalisiert damit ihren festen Entschluss. So bleibt sie von der ehelichen Haube verschont.

Zur Strafe gilt sie nun nicht mehr als Tochter, sondern muss als Magd hart arbeiten. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich einen inneren Ort zu schaffen, in dem sie Ruhe findet. Diese „innere Zelle“ ist eine wichtige Erfahrung, die ihr weiteres Leben prägt. Während in der Färbergasse um sie herum das Leben pulsiert, zieht sie sich innerlich in die Gegenwart Gottes zurück. Später schreibt sie: „Das Gebet ist die Mutter der Tugenden. Je mehr wir uns betend an Gott anschmiegen, desto mehr nehmen wir an seiner Heiligkeit teil, desto mehr finden wir Freude an der Tugend.“

Das Negativ-Casting zur Berufung

Als Katharina 16 Jahre alt ist, will sie immer noch keinen Mann. Im Gegenteil: Für Katharina steht die Entscheidung felsenfest - sie will ihr Leben ganz Gott hingeben. Doch bei einem Drittorden für Laien wird sie zunächst abgelehnt. Dann aber wird Katharina krank - sie hat hohes Fieber und einen hässlichen Ausschlag im Gesicht. Erneut bittet sie ihre Mutter, beim Orden vorzusprechen. Aus Angst, Katharina könne sterben, lassen die Ordensoberen mit sich reden. Einzige Bedingung: Katharina dürfe keine Schönheit sein. Durch die Pusteln im Gesicht schafft sie das Negativ-Casting und wird in den Orden aufgenommen.

So findet Katharina mit Gottes Hilfe einen für das 14. Jahrhundert ganz neuen Lebensentwurf: Sie wird weder verheiratet, noch kommt sie als Kind oder Witwe ins Kloster, wie sonst üblich. Mit 17, in der Blüte ihres Lebens, tritt sie in den Orden ein - das ist etwas ganz Neues. Die Religionsphilosophin Beate Beckmann-Zöller meint: „Katharina findet eine Berufung und ist damit auch ein Vorbild für Single-Frauen, die tatsächlich ihren beruflichen Weg gehen.“

Unerschrocken für Frieden und Kirche

Als Papst Gregor XI. Rom den Rücken kehrt und nach Avignon zieht, mischt sich Katharina in die Kirchenpolitik ein. Furchtlos kritisiert sie die Zustände im Papsttum, sie mahnt ohne Scheu vor Autoritäten. Nur im tiefen Vertrauen auf Jesus Christus, so Beckmann-Zöller, kann sie dem Papst ins Auge sehen und sagen: Hier stinkt es nach deinen Sünden!

Bis zum Lebensende engagiert sich Katharina als Friedensstifterin, ist in päpstlicher Mission auch in Florenz unterwegs. Sie verhandelt mit dem Ratsherren, vermittelt. Die Reform der Kirche ist ihr ganz wichtig. Das kommt in ihrem letzten Buch zum Ausdruck: „Gott will in allem seine Braut reformieren, und er will nicht, dass sie weiter aussätzig bleibt: Wenn Eure Heiligkeit aber nicht, wie es Euch möglich wäre, das Nötige unternimmt - ... wird Gott selber es besorgen.“ Katharina stirbt am 29. April 1380.


Trailer von Dokumentation über Katharina von Siena ansehen:


Rituale

Teig rühren und Gelassenheit wagen

Hefeteig (CCR Chiot's Run)

Immer dieses lästige Warten! Da hat man Hunger und will sich nur schnell eine Pizza machen. Und dann dauert dieser Hefeteig immer so lange – er muss aufgehen, eine dreiviertel Stunde! Soll man ihn vielleicht in den Ofen stecken, fragt man sich, und so das ganze beschleunigen? Oder stattdessen sogar einen Fertigteig kaufen? Doch die Zeit während der Teig aufgeht, kann ich nutzen, um eine wichtige geistliche Disziplin einzuüben...
 
mehr

Angebote

20.10.2013 - 25.10.2013
Exerzitien - Eine Woche schweigen Exerzitien – eine Möglichkeit, die eigene Lebensrichtung zu ändern. Eine Woche Stille – um auf eine andere Stimme zu hören. Zeit und Stille – in einer Schweigewoche schenken Sie sich die zwei wichtigsten Schätze unseres Lebens. (...)

23.11.2013 - 23.11.2013
Workshop Lebensreise Das Leben ist wie eine Landkarte: Wo kommen wir her? Wo stehen wir jetzt? Wie wurden wir zu dem, was wir sind? Was hält uns? Wie geht es weiter? Ilona und Rainer Wälde zeigen Ihnen, wie Sie die Landkarte Ihres Lebens auswerten und den roten Faden erkennen.
(...)

18.08.2013 - 24.08.2013
Unterwegs zu den Quellen des Lebens Bereits vor drei Jahren sind wir auf die grüne Insel gereist, um dem Geheimnis der irischen Mönche auf die Spur zu kommen: Auf dem Hill of Slane bei Dublin beginnt unsere persönliche Reise zu den Ursprüngen des Christentums. 433 hat Patrick an dieser Stelle ein Osterfeuer entzündet und damit eine Bewegung ausgelöst, die im nördlichen Europa zu einem Durchbruch des christlichen Glaubens sorgte. (...)

mehr

Media

Riskier was, Mensch!

Riskier was, Mensch - Sieben Wochen ohne Vorsicht

„Sieben Wochen ohne“ macht dieses Jahr Lust, die Zeit nach Aschermittwoch bewusst zu begehen und ein risikofreudiges Leben auszuprobieren, weniger um der eigenen Abenteuerlust, als um anderer Menschen willen.

Verzichten einmal anders. Dafür waren die „Sieben Wochen ohne“ Kalender schon immer gute Begleiter. Seit 1983 ist die Aktion der evangelische Versuch, der am 13. Februar beginnenden Fastenzeit etwas abzugewinnen. Und vielleicht ist sie ja sogar eine Inspiration zu einem ursprünglicheren Fasten, einem ganzheitlichen Loslassen und Neuausrichten, im Gegensatz zu spiritualisierten Diätbemühungen.

 
mehr


Senden Sie eine E-Card an Freunde

StartHeilige OrteVorbilderRitualeAngeboteMediaNewsletter
FacebookTwitter
Newsletter
Kostenlose und wertvolle Impulse für Ihre persönliche Lebensreise.
 
Unser Newsletter informiert Sie in regelmäßigen Abständen über aktuelle Themen.
 
Newsletter abonnieren